{"id":1033,"date":"2013-09-08T00:01:03","date_gmt":"2013-09-07T23:01:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.evangeliumsposaune.org\/?p=1033"},"modified":"2013-09-08T22:29:56","modified_gmt":"2013-09-08T21:29:56","slug":"ein-mann-der-gott-vertraute-teil-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.evangeliumsposaune.org\/?p=1033","title":{"rendered":"Ein Mann, der Gott vertraute (Teil 3)"},"content":{"rendered":"<p>Und Maria? Als sie sich von ihrer \u00dcberraschung erholt hatte, in die der Brief sie versetzt hatte, war sie zu ihrer Schwester geeilt. Sie sollte sich als erste mit ihr freuen. Und dann musste Miss Aldersey auch sogleich in ihr Geheimnis eingeweiht werden. Gewiss w\u00fcrde sie die Verlobung guthei\u00dfen. Auf alle F\u00e4lle hatte sie seinerzeit nichts dagegen eingewandt, als Burella ihr die eigene Verlobung angezeigt hatte. Doch wie tief waren Miss Alderseys Best\u00fcrzung und \u00c4rger, als sie die Geschichte vernahm.<\/p>\n<p>\u201eMr. Taylor! Dieser junge Habenichts? Wie kann er \u00fcberhaupt an eine solche Verbindung denken! Was f\u00e4llt ihm ein! Selbstverst\u00e4ndlich muss dieser Antrag sofort und endg\u00fcltig abgelehnt werden.\u201c<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Vergeblich versuchte Maria, ihr verst\u00e4ndlich zu machen, was er ihr bedeutete. Damit verschlimmerte sie die Sache nur noch mehr. Miss Aldersey war \u00fcberzeugt davon, dass Maria sofort von dieser Torheit befreit werden m\u00fcsste. Deshalb nahm die wohlmeinende \u00e4ltere Freundin die Angelegenheit in der besten Absicht in ihre Hand. Der Antwortbrief musste nach ihrem Diktat geschrieben werden. Maria hatte zu gehorchen. Sie war zu jung und unerfahren, um sich Miss Alderseys Entschluss zu widersetzen, die in ihrer \u00dcberzeugung auch noch von ihren Freunden unterst\u00fctzt wurde. Maria blieb nichts anderes \u00fcbrig, als ihren Kummer und die erfahrene Dem\u00fctigung ihrem himmlischen Vater zu \u00fcberlassen, der allein den Ausgang kannte. Als sich sogar ihre Schwester von der Richtigkeit der \u00dcberlegungen ihrer Vorgesetzten hatte \u00fcberzeugen lassen, folgten bange, einsame Stunden, in denen sie nur der Gedanke st\u00e4rkte, dass dem Herrn nichts, aber auch gar nichts unm\u00f6glich sei.<\/p>\n<p>Hudson Taylor schrieb \u00fcber diese Zeit:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eWir m\u00fcssen es lernen, uns in der Geduld zu \u00fcben. Darum l\u00e4sst uns unser treuer Gott segensreiche Erfahrungen machen, durch die wir darin erstarken. Obgleich er uns oft beinahe \u00fcber unser Verm\u00f6gen pr\u00fcft, zeigt er sich doch immer zur Hilfe, zum Durchtragen bereit. Unsere K\u00fcmmernisse w\u00e4ren leichter und weniger zahlreich, wenn sich unsere Herzen bereitwilliger seinem Willen f\u00fcgten.<\/p>\n<p>Ich ging in der letzten Zeit durch viel Leid. Die Hauptursache meines Jammers liegt in der eigenen Unwilligkeit zur Unterwerfung und zum v\u00f6lligen Ruhen in Gott. Wenn ich es doch lernte, in allem einzig seine Verherrlichung zu suchen! Wenn ich ihm doch treuer nachfolgte und bewusster auf sein Kommen wartete! Warum nur lieben wir ihn so oberfl\u00e4chlich? Ist er nicht der Sch\u00f6nste unter den Menschenkindern? Liebt er selbst uns nicht mit vollkommener Liebe? Ist nicht sein Opfertod am Kreuz Beweis daf\u00fcr? Bete f\u00fcr mich!\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Es ist vielleicht nicht erstaunlich, dass sich ihm gerade in diesen Tagen ein Buch der Bibel, das er bisher nicht verstanden hatte, voller Sch\u00f6nheit auftat. Sein tiefes Verst\u00e4ndnis f\u00fcr das Hohelied Salomos ist auf diese Zeit zur\u00fcckzuf\u00fchren, in der er die Liebe zu Maria ganz in Gottes Hand legen musste. Nie h\u00e4tte er so verstanden, was Christus den Seinen sein will und was er von den Seinen erwartet. Es war eine herrliche Entdeckung, die sich in sp\u00e4teren Jahren noch vertiefte und f\u00fcr die Ewigkeit Frucht tragen sollte. Alle, die Hudson Taylor in seinen sp\u00e4teren Jahren nahestanden, kannten seine besondere Liebe zu diesem Buch der Bibel und seine Vorliebe, darin auch sein pers\u00f6nliches Verh\u00e4ltnis zu Christus geschildert zu sehen.<\/p>\n<p>Briefe an Mutter und Schwester, in denen er \u00fcber die Ereignisse im Fr\u00fchling 1857 berichtete, geben Einblick in sein Denken.<\/p>\n<blockquote><p>\n\u201eMeine liebe Amalie!<\/p>\n<p>Obwohl es schon sp\u00e4t ist, kann ich nicht einfach schlafen gehen, ohne dir einige Zeilen geschrieben zu haben. Alles auf dieser Erde ist so verg\u00e4nglich, und wir wissen nicht, was die n\u00e4chste Stunde bringt. Nur eins wechselt nicht: Gottes Liebe. Unser herrlicher Jesus bleibt derselbe und wird es immer bleiben. Bald wird er kommen und uns zu sich nehmen.<\/p>\n<p>Hast du dich schon einmal in das Hohelied vertieft? Es ist ein k\u00f6stlicher Garten, an dem wir uns erfreuen k\u00f6nnen. So ist es auch mit dem 54. Psalm. Ist nicht der Gedanke wunderbar, dass sogar das innigste Band auf Erden nur schwach die Liebe zu seinen Erl\u00f6sten widerspiegelt, zu denen ich mich auch z\u00e4hle? Wie k\u00f6nnen wir aber unsern herrlichen Jesus gen\u00fcgend lieben, wie genug f\u00fcr ihn tun? Bald wird er uns zu seinem Hochzeitsfest einladen, dem Hochzeitsmahl des Lammes. Nicht als G\u00e4ste, sondern als Braut werden wir, in das fleckenlose Kleid seiner Gerechtigkeit geh\u00fcllt, unsern Platz freudig einnehmen. Die Zeit ist kurz. Lebten wir doch als solche, die auf ihren Herrn warten und mit Freuden bereit sind, ihm zu begegnen!\u201c\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Die ersten hei\u00dfen Sommertage brachten f\u00fcr Hudson Taylor und seine Gef\u00e4hrten eine Ver\u00e4nderung. Die vor der Hungersnot Gefl\u00fcchteten zogen wieder in die D\u00f6rfer der weiten Ebene zur\u00fcck, um ihre Felder abzuernten. Im Krieg zwischen China und England war eine Pause eingetreten, die in Ningpo und seiner Umgebung eine aggressive missionarische Arbeit erm\u00f6glichte. Doch an ein Vordringen in das Inland konnte vorl\u00e4ufig nicht gedacht werden. Darum entschlossen sich die Missionare, irgendwo eine Gemeinde mit Predigern und Evangelisten aufzubauen, und rechneten mit Gottes Beistand. Die so unterrichteten Gl\u00e4ubigen sollten sp\u00e4ter das Werk selbst\u00e4ndig weiterf\u00fchren. Mit diesem Plan kehrten sie nach Ningpo zur\u00fcck. Vorher hatten sie einen Schritt gewagt, der f\u00fcr die Zukunft von gro\u00dfer Wichtigkeit war. Hudson Taylor hatte im Mai, drei Jahre und drei Monate nach seiner Ankunft in China, seine Beziehungen zur CEG gel\u00f6st. Veranlassung zu diesem Schritt waren nicht die vielen Schwierigkeiten, die er mit dieser Missionsgesellschaft erlebt hatte, sondern die verschiedene Auffassung im Blick auf das Schuldenmachen. Er schrieb dar\u00fcber:<\/p>\n<blockquote><p>\n\u201eDieser Schritt war verbunden mit vielen Glaubensproben. Jedoch lernte ich den Herrn dadurch besser kennen. Ich h\u00e4tte diese Pr\u00fcfungen nicht missen wollen. Gott wurde mir dadurch gr\u00f6\u00dfer, wirklicher und vertrauter. Meine gelegentlichen Geldschwierigkeiten waren nicht die Folge unzureichender Versorgung f\u00fcr mich pers\u00f6nlich.<\/p>\n<p>Wir verbrauchten zu viel f\u00fcr die Armen und die Hungernden um uns her. Pr\u00fcfungen noch anderer Art \u00fcberlagerten diese Schwierigkeiten und f\u00fchrten in Tiefen hinab, damit mehr Frucht gewirkt wurde. Wie gl\u00fccklich ist man, mit Miss Havergal bekennen zu k\u00f6nnen:<\/p>\n<p>Wer ihm v\u00f6llig traut, find&#8217;t ihn v\u00f6llig treu.<\/p>\n<p>Er bleibt der unwandelbar Treue, auch wenn wir selbst ihm nicht v\u00f6llig vertrauen. Er ist getreu, ob wir ihm vertrauen oder nicht. ,Glauben wir nicht, so bleibt er treu; er kann sich selbst nicht verleugnen.\u2018 Wie verunehren wir unsern Herrn, wenn wir ihm nicht vertrauen, und was verlieren wir an Frieden, Segen und Sieg, wenn wir uns auf diese Art gegen den Wahrhaftigen vers\u00fcndigen! M\u00f6chten wir es nie wagen, ihn anzuzweifeln!\u201c\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Welche tieferen F\u00fchrungen noch reicheren Segen brachten, ist leicht zu erraten. Zweimal t\u00e4glich kam Hudson Taylor auf dem Weg zur Br\u00fcckenstra\u00dfe an Miss Alderseys Schule vorbei. Maria wohnte noch immer dort. Die Leitung lag jedoch jetzt in Mrs. Bausums H\u00e4nden. Taylor hatte Maria seit seiner R\u00fcckkehr nach Ningpo im Juni wiedergesehen, doch stand zwischen ihnen eine Scheidewand, die nicht beseitigt werden konnte, die Bitte, eine gewisse Sache nicht mehr zu ber\u00fchren. Sie begegnete ihm allerdings lieb und freundlich wie fr\u00fcher. Miss Aldersey hatte ihre ablehnende Einstellung auch den Freunden gegen\u00fcber ge\u00e4u\u00dfert, bei denen er jetzt wohnte. So war seine Lage doppelt peinlich.<\/p>\n<p>Bald nach ihrer R\u00fcckkehr von Schanghai hatte Mrs. Jones Maria gebeten, sie wieder bei ihren Hausbesuchen zu begleiten. Sie sprach nicht mit Maria \u00fcber die Angelegenheit, und diese ber\u00fchrte nicht, was ihr Herz ganz erf\u00fcllte. Miss Aldersey aber kannte keinerlei Zur\u00fcckhaltung. Nach einer Gebetsstunde in einem andern Stadtteil sch\u00fcttete sie gegen\u00fcber Mrs. Jones ihren ganzen Zorn aus. Sie habe gute Gr\u00fcnde dazu, meinte sie. Hatte Mrs. Jones nicht dazu verholfen, dass die jungen Leute sich da oder dort einmal gesehen hatten? Dabei geh\u00f6re Miss Dyer doch einer andern Gesellschaftsklasse an als Mr. Taylor. Sie habe ein eigenes kleines, ausreichendes Einkommen, sei gebildet, begabt, anziehend und habe passendere Bewerber. Es sei unverzeihlich, dass diese Person sich der jungen, unerfahrenen Maria gen\u00e4hert habe. Dazu habe er noch die K\u00fchnheit besessen, wieder nach Ningpo zur\u00fcckzukehren, obgleich man ihm deutlich genug gesagt h\u00e4tte, wie unerw\u00fcnscht er w\u00e4re.<\/p>\n<p>Hudson Taylors Stellung als unabh\u00e4ngiger Missionar, der sich ganz auf seinen Glauben verlie\u00df, wurde im Missionarskreis heftig kritisiert. Man redete von ihm als einem, \u201eden niemand berief\u201c, der \u201ezu niemandem geh\u00f6re\u201c und \u201evon niemandem als Prediger des Evangeliums anerkannt w\u00fcrde\u201c. Doch damit nicht genug! Es wurden noch andere Anspielungen gemacht. Er sei \u201efanatisch, unzuverl\u00e4ssig, krank an Leib und Seele\u201c, mit einem Wort: \u201evollkommen unt\u00fcchtig\u201c.<\/p>\n<p>Das Gespr\u00e4ch brachte allerhand an den Tag. Ehe Miss Aldersey sich verabschiedete, erfasste Mrs. Jones die Lage: Es wurde von ihr verlangt, Mr. Taylor in keiner Weise bei einem weiteren Antrag zu unterst\u00fctzen und ihn nie mit Maria in ihrem Hause zusammenkommen zu lassen. Das versprach Mrs. Jones zwar nicht, sagte aber zu, sie werde die jungen Leute nicht mit Absicht zusammenbringen und Mr. Taylor veranlassen, Miss Dyers Besuche in ihrem Haus nicht als Gelegenheit zu einem Gespr\u00e4ch unter vier Augen benutzen zu wollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a title=\"Teil 1\" href=\"http:\/\/www.evangeliumsposaune.org\/?p=1029\">Teil 1<\/a> | <a title=\"Teil 2\" href=\"http:\/\/www.evangeliumsposaune.org\/?p=1032\">Teil 2<\/a> | <a title=\"Teil 3\" href=\"http:\/\/www.evangeliumsposaune.org\/?p=1033\">Teil 3<\/a> | <a title=\"Teil 4\" href=\"http:\/\/www.evangeliumsposaune.org\/?p=1034\">Teil 4<\/a> | <a title=\"Teil 5\" href=\"http:\/\/www.evangeliumsposaune.org\/?p=1035\">Teil 5<\/a> | <a title=\"Teil 6\" href=\"http:\/\/www.evangeliumsposaune.org\/?p=1040\">Teil 6<\/a> | <a title=\"Teil 7\" href=\"http:\/\/www.evangeliumsposaune.org\/?p=1042\">Teil 7<\/a><\/p>\n<p><em>Aus: H. und G. Taylor<br \/>\nHudson Taylor<br \/>\nEin Mann, der Gott vertraute<\/p>\n<p>Brunnenverlag 1981<br \/>\nSeite 120 bis 136<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Und Maria? Als sie sich von ihrer \u00dcberraschung erholt hatte, in die der Brief sie versetzt hatte, war sie zu ihrer Schwester geeilt. Sie sollte sich als erste mit ihr freuen. 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