Ein Mann, der Gott vertraute (Teil 7)

Während der Diener diese Einladung an Maria überbrachte, wartete Hudson Taylor in Mrs. Knowltons Wohnzimmer auf ihr Kommen. Es schien, als kehrte dieser überhaupt nicht mehr zurück. Da, endlich! Ein leichter Schritt, eine junge Stimme im Vorraum, die Tür flog auf, und die beiden lagen sich in den Armen. Endlich waren sie einmal allein.

Mehr als vierzig Jahre später schrieb Hudson Taylor über diese Stunde: „Meine Liebe zu Maria erkaltete nie. Ich liebe sie noch heute.“ Endlich galten sie öffentlich als Verlobte. Nun durften sie auch zuweilen jung und fröhlich sein. Eine Bekannte der beiden vermittelte einen guten Einblick, als sie schrieb:

„Alle diejenigen, die Hudson Taylor nur in späteren Jahren kannten, mag es überraschen, wenn sie vernehmen, wie leidenschaftlich verliebt er damals war. Seine Verlobte unterschied sich mit ihrem starken, gefühlsbetonten Wesen in dieser Beziehung kaum von ihm. Weil mein Mann mit beiden befreundet war, durfte er sie hin und wieder mit ihrer Verliebtheit necken.“

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Ein Mann, der Gott vertraute (Teil 6)

Im Morgengrauen schreckte Lärm auf der Straße den Fieberkranken aus dem Schlaf. Heftiges Herzklopfen verhinderte das Wiedereinschlafen. Angstgefühle quälten ihn. Die ganze Not der langen Monate seiner Liebe zu Maria, die vielleicht nie die Seine werden durfte, schienen wie eine Flut über ihn hereinzubrechen. Ein Heer von Befürchtungen unvorhergesehener Zwischenfälle drang auf ihn ein. Er meinte, den Widerstand, der ihrer Liebe entgegengebracht wurde, nicht länger ertragen zu können. Das steigerte seine tiefe Angst. Und auch hier griff der barmherzige Gott ein, als die Not am größten war. Darüber berichtete er später seiner Schwester:

„Plötzlich hatte ich das Gefühl, dass Maria sich im Zimmer befinde. Sie musste wie ein leichter Windhauch hereingekommen sein. Da wurde ich ganz ruhig. Ich wusste sie in meiner Nähe. Einen Augenblick war ich wie gelähmt, dann streckte ich mit geschlossenen Augen meine Hand aus. Mit behutsamem Druck fühlte ich sie warm von der ihren umschlossen. Sie bedeutete mir, nicht zu reden, und legte zugleich die andere Hand auf meine Stirn. Unter ihrem sanften Druck fühlte ich Fieber und Kopfschmerzen schwinden. Sie flüsterte mir zu, ich solle mich nicht länger ängstigen, denn sie gehöre zu mir wie ich zu ihr. Ich solle nun ruhig schlafen. Das tat ich dann auch. Ich erwachte erst wieder nach Stunden. Das Fieber war gewichen, nur fühlte ich mich sehr schwach.

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Ein Mann, der Gott vertraute (Teil 5)

Kurz nach seiner Bekehrung wurde Nye als ehemaliger Leiter einer Handelsgesellschaft von dieser zu einem Gespräch eingeladen. Er hatte seinen Posten bereits niedergelegt und sollte nun die Gründe seines Glaubenswechsels erklären. Taylor, der ihn begleitete, war tief beeindruckt von der Klarheit und Kraft seines Jesusbekenntnisses. Einige seiner ehemaligen Freunde mit derselben Religionsauffassung wurden durch ihn zu Christus geführt und später wertvolle Glieder der Kuan Kiao-teo-Gemeinde.

Nye hatte als Baumwollhändler viel freie Zeit, die er nun den befreundeten Missionaren zur Verfügung stellte. Beinahe täglich begleitete er Mr. Jones bei seinen Besuchen in die Häuser oder zu Straßenpredigten. Er wollte aber für seine Dienste nicht bezahlt sein. Überall fand er Eingang für die Botschaft, die ihm selbst so viel bedeutete. Er war es auch, der einmal an Hudson Taylor die unerwartete Frage richtete, die dieser nie mehr vergessen konnte:

„Wie lange kennt ihr in England die Frohe Botschaft?“

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Ein Mann, der Gott vertraute (Teil 4)

Nach dieser Unterredung fühlte sich Hudson Taylor gebunden. Er durfte also Maria weder schreiben noch im Hause seiner Freunde sprechen. Eins aber wusste er jetzt: Zwischen Miss Aldersey und der Familie Dyer bestand kein Verwandtschaftsverhältnis. Deshalb bat er um die Erlaubnis, an Marias Onkel in London schreiben zu dürfen.

Nun konnte er die Sache ruhig dem Herrn überlassen. Und Gott enttäuschte ihn nicht. Gott hat seine eigenen Wege, seine Pläne durchzuführen. In diesem Fall bediente er sich eines Platzregens.

An einem drückend heißen Julinachmittag versammelten sich die Missionarinnen in Mrs. Jones‘ Haus zur Gebetsstunde. Wie gewohnt waren alle Missionen vertreten. Es zeigte sich, dass sie leichter hergekommen waren, als sie zurückkehren konnten. Plötzlich begann es wolkenbruchartig zu regnen. Das Wetter entlud sich flußaufwärts. Bald ergossen sich über Ningpo mächtige Wasserfluten. Jones und Taylor konnten wegen der überschwemmten Straße nicht rechtzeitig heimkehren. Als sie endlich kamen, hatten die meisten Damen sich entfernt. Nur einen einzigen Diener trafen sie an, der ihnen sagte, dass Mrs. Bausum und Miss Dyer noch immer auf ihre Sänften warteten.

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Ein Mann, der Gott vertraute (Teil 3)

Und Maria? Als sie sich von ihrer Überraschung erholt hatte, in die der Brief sie versetzt hatte, war sie zu ihrer Schwester geeilt. Sie sollte sich als erste mit ihr freuen. Und dann musste Miss Aldersey auch sogleich in ihr Geheimnis eingeweiht werden. Gewiss würde sie die Verlobung gutheißen. Auf alle Fälle hatte sie seinerzeit nichts dagegen eingewandt, als Burella ihr die eigene Verlobung angezeigt hatte. Doch wie tief waren Miss Alderseys Bestürzung und Ärger, als sie die Geschichte vernahm.

„Mr. Taylor! Dieser junge Habenichts? Wie kann er überhaupt an eine solche Verbindung denken! Was fällt ihm ein! Selbstverständlich muss dieser Antrag sofort und endgültig abgelehnt werden.“

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Ein Mann, der Gott vertraute (Teil 2)

Im Süden von Ningpo, nicht weit von Miss Alderseys Schule, lebte seit einiger Zeit die kleine Missionarsfamilie Jones. Durch des Vaters Krankheit war die Familie lange Zeit in Hongkong aufgehalten worden. Die Krankheit und das Sterben ihres ältesten Kindes war dann noch dazugekommen. So war viel Leid über diese Freunde hereingebrochen, seitdem sie das Land ihrer Berufung betreten hatten. Als sie dann im Juni nach Ningpo kamen, bot sich ihnen Maria als gelegentliche Hilfe an. Sooft die Arbeit in der Schule es ihr erlaubte, begleitete sie Mrs. Jones auf ihren Hausbesuchen in der Stadt.

Es war nicht zu vermeiden, dass der junge Engländer Maria zuweilen im Hause seiner Freunde traf und er an ihr Gefallen fand. Ihr aufrichtiges und natürliches Wesen zog ihn an. Es dauerte nicht lange, und sie begegneten sich wie alte Bekannte. In vielen wichtigen Fragen waren sie gleichen Sinnes. Bald erfüllte sie sein Denken ganz.

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